• Wiebke Salzmann

    freie Lektorin und Autorin

  • Text-Wirkerei

  • Wirken an Texten – Wirken von Texten

Diese Geschichte …

entstand in der Rostocker Heide. Als ich 1995 nach Rostock gezogen bin, habe ich, um Leute kennenzulernen, Französisch an der Volkshochschule belegt. Irgendwann bekamen wir als Hausaufgabe über die Semesterferien auf, ein Märchen zu schreiben. Auf Französisch, versteht sich. Ich habe erst mal einige Wochen lang geflucht, weil ich mir beim besten Willen nichts einfiel. An einer Wegkreuzung in der Rostocker Heide hatte ich dann endlich eine Idee – und das Märchen wuchs sich zu einem Fantasy-Roman aus, genauer gesagt, zu einer Reihe aus bisher drei (abgeschlossenen) Romanen. (Der vierte ist noch in meinem Kopf, bis ich endlich die Zeit finde, ihn ebenfalls zu Papier zu bringen.)
Hier finden Sie eine Leseprobe aus dem Kapitel „Schneedrachen“.

Drachenwetter

Drachenlicht am Himmel, ein nicht enden wollender Winter im Norden, Dürre im Süden, bis auch hier Schnee fällt. Ein geheimnisvoller Auftrag treibt sie zu Berg Hamra – aber jeder hat auch ganz eigene Gründe, sich auf die Wanderung zu machen: Hunar sucht seinen verschollenen Bruder, Bylgja will einen Krieg verhindern, Svala flieht vor einer Zwangsheirat und Askja ist neugierig auf die Welt jenseits der Grenzen des Gamlaskog.
Was hat es mit den Lichtern und dem unzeitigen Wetter auf sich? Und welche Rolle spielt der unheimliche Haukur in der Geschichte und in Hunars Familie?
Die Zeichen der Wetterdrachen
Band I: Im Drachenwetter


Wiebke Salzmann

ca. 230 Druckseiten


2 Bände, die zusammen einen in sich abgeschlossenen Roman bilden

erschienen bei bookrix.de
Leseprobe auf bookrix.de

2,49 €
ISBN: 978-3-7396-3445-6
als E-Book erhältlich, in vielen gängigen Online-Shops
Hunar, Brimill, Aksja und Svala steigen mit dem Schmetterling auf den Hamra und müssen sich den Drachen stellen. Bylgja und Isjaki versuchen, einen Krieg zu verhindern. Drafnar verlässt seine Höhle und die Drachen setzen Hamarborg in Brand. Hrisla und Hikandi retten ein Buch aus der brennenden Stadt, geraten aber Hrydja in die Hände. Ihre Pläne sind verraten und dann wechselt auch noch Haukur auf Hrydjas Seite.
Ist alles verloren?
Die Zeichen der Wetterdrachen
Band II: Am Berg des schwarzen Drachen


Wiebke Salzmann

ca. 270 Druckseiten

2 Bände, die zusammen einen in sich abgeschlossenen Roman bilden

erschienen bei bookrix.de
Leseprobe auf bookrix.de

2,49 €
ISBN: 978-3-7396-4879-8
als E-Book erhältlich, in vielen gängigen Online-Shops

Leseprobe aus dem zweiten Band „Am Berg des schwarzen Drachen“

Schneedrachen

Wetterdrachen-Zyklus

wetterdrachen.net/drachenwetter.html
Auf den Internetseiten zu meinen Fantasy-Romanen um die Wetterdrachen erfahren Sie noch mehr zu den „Zeichen der Wetterdrachen“.

Hastig kletterten sie weiter den Berg hinauf, so schnell sie konnten. Brimill ging jetzt ständig vorn, nur er war in der Lage, zwischen Felsen, Schnee und Firn die wenigen gangbaren Stellen zu finden.
„Was ist das …“ Hunar verharrte und starrte auf eine blauweiße, zerklüftete Masse, die aussah, als wäre sie den Berg heruntergeflossen und dann mitten im Fließen erstarrt. Viele hundert Schritt breit erstreckte sich die blaue Zunge weit hoch hinauf. Weiße, graue und schwarze Bänder durchzogen sie, ihre Oberfläche war an etlichen Stellen wie glatt geschliffen, anderswo war sie zerklüftet, von Scharten durchsetzt und von Zacken und Spitzen übersät. Zum Gipfel des Hamra hin wurde die Masse weiß, Schnee bedeckte sie dort oben.
„Blaues Eis …“ murmelte er. Brimill warf nur einen kurzen Blick nach oben.
„Gletscher“, antwortete er verbissen. „Bei uns gibt es einen grünen. Und wir können nur hoffen, das wir da nicht rüber müssen. Ist nicht so massiv, wie es aussieht, das Zeug. Jede Menge Spalten und Löcher. Und nicht alle sieht man von oben. Ist nicht lustig, in eine Gletscherspalte zu fallen.“ Er stapfte weiter. Askja pustete sich eine braune Strähne aus der verschwitzten Stirn. „Sieht aber trotzdem fantastisch aus!“ rief sie Brimill hinterher. Wie um ihre Worte zu unterstreichen, kam die Sonne hervor und brachte das Eis zum Glitzern. Hellblau leuchtete es im Licht und glitzerte weiß es wie mit Kristallen bestreut.
Brimill brummte nur, ohne sich umzudrehen.
„Miesepampel“, murmelte Askja vor sich hin und folgte den anderen. Sie wanderten nun an einem Bach entlang, der schäumend und oft mehr fallend als fließend zu Tal strömte. Hunar hielt irgendwann keuchend inne. „Sag mal, müssen wir diesen Dauerlauf noch lange durchhalten? Auch wenn alle vier Drachen hinter uns her sind – ich brauch eine Pause!“
Svala wartete Brimills Antwort gar nicht ab, ließ sich erschöpft neben den Bach auf einen Stein fallen und schöpfte mit der Hand das klare Wasser. Vielmehr, sie wollte es schöpfen. Sofort zog sie die Hand zischend zurück. „Ist das kalt!“

Drache im Feuer
Der Drache geriet mithilfe des Bildbearbeitungsprogramms GIMP in das Feuer. Das Feuer war eine eher friedliche Angelegenheit – nämlich das alljährlich von der freiwilligen Feuerwehr Mönchhagen veranstaltete Tannenbaumverbrennen. Der Drache selbst wurde von Stefanie Zill gezeichnet – das gilt für alle Drachen auf dieser Seite.

Jetzt mußte Brimill doch lachen. Er kam zurück und zeigte auf ein dunkles Loch, das sich vor ihnen an der Vorderseite der Gletscherzunge öffnete, groß wie der Eingang zu einer Halle. Aus ihm stürzte der Bach heraus.
„Das Wasser kommt direkt aus dem Gletschertor – natürlich ist es kalt!“
Svala verzog das Gesicht und wagte einen neuen Versuch, diesmal etwas vorsichtiger. Auch die anderen löschten ihren Durst. Dann musterte Hunar den Berghang vor und über ihnen. Er stieß Brimill an. „Wir müssen aber nicht über den Glestcher, oder? Da rechts geht’s vorbei, wie es scheint. Wir müssen nur irgendwie um diese Felsen drumherum. Oder drüber weg.“ Hunar deutete auf einen Felsgrat rechts von ihnen und dem Gletscher.
Brimill nickte nachdenklich. „Sieht aus, als hättest du recht. Ich seh mir das mal an, wartet hier.“
Fröstelnd im kalten Wind, der vom Gletscher herunterwehte, beobachteten die anderen, wie Brimill zu dem aufragenden Felsgrat stieg und dann dahinter verschwand. Svala stand nach einer Weile auf und schlang die Arme um sich. „Mir ist es hier zu kalt, ich muß mich bewegen. Ich sehe mal nach, was Brimill macht.“
Die anderen nickten nur, Askja summte vor sich hin, und Hunar hatte sich auf den Rücken gelegt und betrachtete müßig die blaue Eismasse. „Weit im Norden gibt es auch Gletscher. Ich hab aber noch nie einen gesehen. So weit ziehen wir nicht, da gibt’s nichts mehr zu fressen für die Herden“, erzählte er Askja.
„Also ich würd ja schrecklich gern mal auf das Eis treten – nur um zu wissen, wie sich das anfühlt! Aber wenn Brimill sagt, es ist gefährlich, laß ich es wohl besser.“ Ihre Augen wanderten die mächtige Eiszunge hinauf, die sich bis kurz unter den Gipfel erstreckte. Dann griff ihre Hand nach Hunar. Der fuhr sofort auf und folgte Askjas anderer Hand, die in den blauen Himmel wies. Hunar sprang auf und fluchte leise. „Er kommt zurück! Bleib du hier, ich hol die anderen!“
Hastig kletterte er davon. Askja raffte die Rucksäcke zusammen und stopfte sie unter einen Felsen, von dem sie hoffte, er würde sie vor Flammen schützen. Dann rieb sie sich nervös die Hände, während sie mit aufgerissenen Augen den Drachen beobachtete. Ihr Herz klopfte wie wild in einer Brust, die sich wie ein eiziger Hohlraum anfühlte. Der Drache zog Kreise über dem Gipfel des Bergs, senkte sich dann langsam herunter. Askja schluckte trocken und wich unwillkürlich zwei Schritte zurück, als der Drache nah genug war, daß sie seine Farbe erkennen konnte. Rot. Rot wie Feuer, rot wie Blut, durchzogen von schwarzen Fetzen. Schon griff das rote Glühen auf den Himmel über. Purpurn flammte der Gletscher auf, als der Drache sich senkte und unaufhaltsam näher kam. Gehetzt sah Askja sich um. Ein Versteck, sie brauchten ein flammensicheres Versteck!
Ihr Blick fiel auf das Gletschertor, das sich schwarz unter dem Gletscher öffnete. Hastig rannte sie zum Gepäck, ergriff den Korb mit dem Schmetterling, dann lief und kletterte sie hinauf zu der gähnenden Eishöhle, während das rote Glühen die Luft um sie erfaßte, das Gras blutig aufleuchtete, die Steine den Schein des Drachen widerspiegelten, als stünden sie bereits in Flammen. Ein Fauchen ertönte, Askja spürte eine sengende Hitze über sich. Sie warf einen Blick nach oben, sah die Flammensäule, die der Drache in den Himmel schickte, duckte sich unter der nahenden Gestalt des Drachen, sprang hinein in das Tor und verschwand unter dem Eis.
In diesem Augenblick schickte Hvinur eine glühendrote Lohe auf den Gletscher nieder.

Drache am Gewitterhimmel

„Wenn wir da lang gehen, über diesen Felsgrat nach oben steigen, dann müssen wir da oben nur die schmale Gletscherzunge dahinten überqueren und kommen dann ohne Probleme weiter. Das sollte zu schaffen sein“, erklärte Brimill Svala gerade, als Hunar auf sie zugestürzt kam.
„Der Drache! Er kommt zurück!“ schrie er und winkte wie verrückt.
„Welcher?“ Brimill und Svala kletterten hastig zu ihm hinunter. Als sie um die Felsgruppe bogen, sahen sie, welcher es war. Purpurn leuchtete der Gletscher, und darüber schwebte rot der Drache Hvinur und tauchte seine Umgebung in ein blutiges Licht. Brimill fuhr zurück und zog Hunar und Svala mit sich hinter den Fels. Hunar riß sich los. Der Drache warf seinen Kopf in den Nacken, Feuer stieß weit in den Himmel hinein. Der Drachenkopf senkte sich wieder, die nächste Lohe fuhr auf den Gletscher hernieder. Heiß fuhr die Flamme in das Eis, zischend stieg Dampf auf. Feurig leuchtendes Schmelzwasser rann den Gletscher hinunter.
„ASKJA!“ brüllte Hunar und rannte los. Er kam nicht weit, Brimill fing ihn ab und zerrte ihn zurück hinter den Felsen. Hunar wehrte sich verzweifelt, verpaßte Brimill dabei eine blutige Nase, aber der ließ nicht los. Er verdrehte Hunar den Arm, bis der vor Schmerz zusammensackte. „Bleib hier!“ brüllte Brimill ihn an und lockerte seinen Griff keinen Deut. „Sie ist nicht da! Und du kannst ihr jetzt nicht helfen, nicht solange dieses Vieh hier ist!“
„Aber … wo ist sie …“ Hilflos ließ Hunar seine Augen über den Hang vor ihm irren. Svala deutete auf einmal auf ein paar Steine in der Nähe des Gletscherbaches. „Seht mal, sie hat unsere Rucksäcke versteckt!“
„Und du kannst darauf wetten, sie hat sich selbst auch versteckt!“ knirschte Brimill zwischen den Zähnen hervor. Das Schmelzwasser floß den Gletscher hinunter, stürzte dann in einem Wasserfall an seiner Spitze hinunter in den Glestcherbach, einen Vorhang aus Wasser vor dem Gletschertor bildend.
„Da … da ist sie!“ Brimill brüllte vor Erleichterung und zeigte auf die dunkle Öffnung unter dem Gletschereis. Hunar strengte seine Augen an – tatsächlich, in der Höhle war Askjas grüner Poncho zu sehen. Hunar fuhr auf, besann sich dann aber eines Besseren und sah erst hinauf zu dem Drachen. Der flog langsam den Gletscher hinauf, gemächlich, aber stetig schlugen seine Schwingen, auf und nieder, auf und nieder. Jeder Schlag brachte ihn weiter hinauf. Svala kaute auf ihren Fingernägeln. „Er haut ab – er läßt uns in Ruhe …“
Hunar ließ die Augen nicht von dem geflügelten, rot glühenden Reptil, das langsam und entschlossen weiter aufwärts flog, immer entlang des Gletschers, ab und zu den Kopf senkte, als suchte es etwas. Jetzt flog er über dem Schnee, der den Gletscher weit oben bedeckte. Der Drache schwebte auf der Stelle und musterte mit gesenktem Kopf die Schneedecke auf dem Eis.
„Brimill, was ist da oben, was kann er da suchen …“
„Suchen? Keine Ahnung, was so ein Drache suchen sollte …“ brummte Brimill. „War jedenfalls eine gute Idee von ihr, unter den Gletscher zu kriechen. Nicht daß ihr auf dumme Gedanken kommt – normalerweise ist es das bescheuerteste, was man tun kann, kann jederzeit einstürzen, so ein Gletschertor, vor allem im Fühling bei Tauwetter, aber vor Drachenfeuer schützen einige Meter Eis wie nichts anderes.“
„Bei Tauwetter …“ Hunar betrachtete wie hypnotisiert den Schmelzwasserfall vor dem Gletschertor. Dann keuchte er auf. „Sie muß da raus! Sofort!“ Ein Stoß fuhr durch die Erde, als der Drache sich oben auf dem Gletscher niederließ. Das Eis knirschte und krachte unter dem Gewicht des Drachen. Ein Feuerschwall fuhr den Glestcher hinunter, dann zitterte die Erde wieder, als Hvinur fest aufstampfte und sich mit einem Brüllen wieder in den Himmel erhob.
Der Drache stieg auf. Aber das Zittern des Erdbodens ließ nicht nach. Ein Brummen hing in der Luft. Hunar, schon auf dem Sprung zu Askja, verharrte, Svala stand lauschend, Brimill suchte mit den Augen den Hang über ihnen ab. Das Brummen wurde zum Dröhnen, schwoll weiter an. „Nein“, flüsterte Brimill, dann kam Leben in ihn. „Schneedrachen!“

Drache vor dem Mond

Er riß Svala und Hunar mit sich hinter den Felsgrat. Das letzte, was Hunar sah, bevor der Fels ihm die Sicht verdeckte, war eine weiße, wirbelnde Masse, die rasend schnell den Gletscher herunterquoll. Das Dröhnen wurde ohrenbetäubend, sie hielten sich die Ohren zu und krümmten sich auf den Boden. Dann fegte Schnee über sie, stäubte und wirbelte in einer nicht enden wollenden brüllenden Wolke über ihr Versteck hinweg, während der Boden zitterte und das Eis des Gletschers schrie und krachte. Der Schnee riß an ihnen, sie preßten sich an den Boden im Schutz des Felsgrates, um dem kalten Zerren zu entgehen. Hunar kniff die Augen zu, trotzdem drang der Schnee zwischen die Lider, in Nase und Ohren. Mit zunehmendem Gewicht drückte der Schnee ihn hinunter, nahm ihm den Atem. Hunar glaubte zu ersticken, die Masse schien ihm den Brustkorb zusammenzudrücken. Sie dämpfte das Dröhnen, dumpf rollte es jetzt über sie hinweg. Dann brach es ab.
Zitternd und halb ohnmächtig vor Angst warteten die drei, aber es blieb ruhig. Hastig grub Brimill sich aus dem Schnee und hob den Kopf. Es war still, Totenstille herrschte auf dem Berg. Die Luft war klar und frei von Schnee. Weit und breit war kein Drache zu sehen. Brimill rappelte sich aus dem Schnee auf, zog dann Svala hervor und schaufelte den Schnee von Hunar. Der blinzelte eine Weile und beeilte sich dann wortlos, mit rudernden Armen durch den Schnee um den Felsgrat herumzukommen. Sein Vorwärtsdrang wurde jäh gestoppt. Die anderen beiden waren in seiner Spur gefolgt, und jetzt sahen sie, welche Schneemassen der Fels von ihnen abgehalten hatte. Die Hauptlawine war über dem Gletscher niedergegangen. Das Ende der Gletscherzunge, der Gletscherbach, der ganze Hang waren verschwunden, verschwunden unter eine unfaßbaren Masse Schnees. Ein weißer Berg türmte sich auf, hoch hinauf, mehrere Manneslängen hoch. Genau über dem Gletschertor. Genau über Askja.
Hunar brach zusammen. Svala kniete sich neben ihn, auch ihr versagten die Glieder. Brimill mußte sich an den Fels lehnen.
„Sie wollte nicht“, schluchzte Hunar leise. „Sie war von Anfang an dagegen, ohne die Muschel weiter zu gehen. Ohne Schutz gegen den roten Drachen.“
„Und sie hatte den Schmetterling bei sich … er war nicht beim übrigen Gepäck.“

© Wiebke Salzmann, 1996–2015

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© Wiebke Salzmann